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Warum ich Praxisanleiterin werden wollte ....

Schon im Laufe der Ausbildung war mir relativ schnell klar, dass es mir Spaß macht, neue Leute kennen zu lernen und mit netten Menschen zusammen zu arbeiten. Zudem hatte ich das Gefühl immer auf dem neuesten Stand bleiben zu können und nicht der Routine des Alltags zu erliegen. Außerdem haben mir die Erfahrungen eines negativen Praxiseinsatzes mit schlechter Anleitung klar gemacht:"Das kannst du besser!"

Im Praxisanleiterkurs 2008/09 waren unbekannte Kollegen aus anderen Bereichen oder Krankenhäusern, aber auch bekannte Gesichter aus dem eigenen Haus und Leute, die ich während meiner Ausbildung in Klassen über oder unter mir gesehen habe. Insgesamt waren wir ein lustiger und offener Kurs, hatten eine Menge Spaß und haben uns immer alle gut verstanden, so dass die Wochen des Lehrgangs am Ende viel zu schnell vorbei gingen. Wir Kursteilnehmer haben viele neue Erkenntnisse dazugewonnen, neben interessanten Einblicken in Psychologie und Recht konnten wir nun endlich lernen, wie man erfolgreich ein Vor- oder Zwischengespräch führt, Probleme im Schüleralltag bewältigt oder wie ein Examen gemeistert wird - vom Schüler, aber auch vom Praxisanleiter. Natürlich konnten wir auch von den aus der Schulzeit altbekannten Rollenspielen und Gruppenarbeiten profitieren, z.B. wie man den Schüler anleitet einen PEG-Verband korrekt zu machen oder dem Patienten Kompressionsbinden ans Bein zu püttern, ohne die Anlegetechniken zu verwechseln. Und wir machten die Erfahrung, was es bedeutet, wenn der Zeiger der Uhr auf 13.50 (Ende der Frühschicht) vorrückt und man selbst aber noch bis 15.30 Uhr aufmerksam sein muss, geschweige denn den ganzen Tag auf seinem Allerwertesten sitzt, während man im Dienst nur selten zum Hinsitzen kommt. Aber wofür gibt es Banknachbarn, die einem auch mal einen Becher Kaffee aus dem Automaten mitbringen oder zu einem unaufälligen Schwätzchen aufgelegt sind - wie früher eben!

Zurück im Alltag war schnell zu erkennen, dass nicht nur im Beruf die Theorie und die Praxis teilweise sehr weit auseinander liegen. Bei der Schüleranleitung ist die Diskrepanz zwischen dem, was man lernt, und der Realität ebenfalls vorhanden. Für eine Anleitung muss noch mehr Zeit investiert werden, als ich gedacht hatte, vor allem wenn man nebenher noch selbst seine Arbeit während einer Schicht gut erledigen und nichts für die nachfolgende Schicht übrig lassen möchte. Da der Arbeitsaufwand auf Station sehr hoch ist, bleibt die Schüleranleitung leider oft genug mehr oder weniger auf der Strecke bzw. beschränkt sich auf kleine Anleitungen oder Erklärungen nebenher, die einem Schüler oftmals als solche nicht auffallen. Man kann weniger planen, als man möchte, Spontaneität und Flexibilität sind von beiden Seiten gefragt.

Praxisanleitung ist viel mehr, als mal eben dem Schüler zu zeigen, wie man subcutan spritzt. Eine gute Praxisanleitung bedeutet, den Schüler auf die Anforderungen der Station und des Alltags vorzubereiten, ihm zu zeigen, wo seine Stärken aber auch seine Schwächen liegen, was er lernen oder verbessern kann. Sie bedeutet, gezielt dem Schüler etwas zu zeigen, sich Zeit zu nehmen für Schwierigkeiten oder Fragen. Sie heißt auch, das eigene Wissen zu vertiefen, sich selbst kritisch zu betrachten und das eigene Handeln zu hinterfragen, genauso kritikfähig zu sein, wie man es vom Schüler erwartet. Außerdem heißt sie, die Station, die Kollegen und andere Berufsgruppen in den Anleiteprozess mit einzubeziehen. Sie bedeutet ebenfalls, seine eigene Arbeit auf Station und mit dem Patienten gewissenhaft und korrekt durchzuführen, so dass man am Ende des Tages mit gutem Gefühl die Station verlassen kann. Und man trägt einen großen Teil dazu bei, ob ein Schüler auf seinen Einsatz auf Station positiv oder negativ zurückblickt. Eigentlich eine schöne, wichtige Aufgabe, oder?

Saskia Martin, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Praxisanleiterin im Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart