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„Ich kann gut mit Menschen umgehen“

Simon Dengler: Ich kann gut mit Menschen umgehen

Birte Stährmann im Gespräch mit Simon Dengler, Auszubildender zum Pflegefachmann

Schon rein äußerlich fällt Simon Dengler positiv auf: ein großgewachsener junger Mann mit dunklen Haaren, Vollbart und einem strahlenden, die Menschen freundlich umhüllenden Blick. Auch mit seiner Berufswahl zeigt der Zweiundzwanzigjährige, dass er sich für seine Mitmenschen interessiert. Vor einem Jahr startete er in die neue dreijährige Ausbildung zur Pflegefachperson am Evangelischen Bildungszentrum für Pflegeberufe (EBZ). Zuvor machte er Abitur, päppelte einen Monat in Sri Lanka bei einem Freiwilligenprojekt Meeresschildkröten auf und sammelte danach sieben Monate auf der privaten Endoprothetik-Station P 52 im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) erste Erfahrungen in der Pflege. Die dort gemachten Erfahrungen bestätigten seinen Berufswunsch.

Nun hat er das zweite Mal einen Einsatz auf dem Pflegebereich des Friederike-Fliedner-Hauses.

Was hat zu Ihrem Berufswunsch geführt?

Ich kann gut mit anderen Menschen umgehen, mich in sie einfühlen und ihnen in Problemlagen helfen. Ich habe zunächst an der Dualen Hochschule Württemberg (DHBW) zwei Semester Soziale Arbeit studiert und mit Suchtkranken gearbeitet. In dieser Zeit habe ich erkannt, dass ich praktisch, mit meinen Händen und nicht beispielsweise in einem Büro arbeiten möchte. Deshalb mache ich nun die Pflegeausbildung.

Wie erleben Sie den Pflege- und Schulalltag?

Die praktische Arbeit kannte ich schon länger. Ich war als Aushilfe als OP-Assistent im Diakonie-Klinikum und habe das Freiwillige Soziale Jahr auf Station gemacht. Dadurch fällt es mir leicht, mitzuarbeiten. Mir macht die Arbeit mit Menschen – den Patienten, Bewohner:innen und den Kolleg:innen – große Freude.

Herausfordernd ist die Ausbildung an sich, da sie noch in den Kinderschuhen steckt. Die Planung und Koordination ist für die Schule sehr schwer, da sie immer wieder auf Beschlüsse des Bundes warten muss. Dadurch verzögert sich auch die anstehende Zwischenprüfung.

Was ist das Besondere an der generalistischen Pflegeausbildung?

In meiner Ausbildung kann ich alle Bereiche kennenlernen und mich dann spezialisieren.

Im ersten Ausbildungsjahr war ich bereits in der Urologie, Gynäkologie, im Bereich Langzeitpflege – dazu gehört mein aktueller Einsatz – und in einer Kinderarztpraxis eingesetzt. Ich habe schon viel gelernt. Es ist auch spannend, so viel über mich und meinen Körper zu lernen, das kann ich jederzeit anwenden.

Was ist das Besondere an Ihren Einsätzen im Mutterhaus?

Ich bin der erste männliche Auszubildende, der die Diakonissen versorgt. Als ich zu meinem zweiten Einsatz zurückkam, wurde ich von den Schwestern freudestrahlend empfangen.

Ich versorge einen eigenen Bereich und kann vieles eigenständig übernehmen. Alle nehmen mich an und freuen sich, wenn ich beispielsweise zwischendurch auch einmal Zeit für ein Gespräch habe oder mit einer Schwester zum Mobilisieren laufen gehe.

Hier fühle ich mich besonders wohl, da ich einen sehr persönlichen Kontakt zu den Bewohnerinnen habe. Im Krankenhaus ist ein hoher Durchlauf. Hier dagegen kann sich eine Vertrauensbasis bilden.

Was fällt Ihnen schwer?

Der Umgang mit dementiell veränderten Menschen ist immer wieder neu herausfordernd. Da muss ich den Umgang mit mir und meinen Erwartungen lernen: Ich darf auch zufrieden sein, wenn nicht alles klappt, wie ich es gelernt habe. Ich setze mir gern einen höheren Zielrahmen, das kollidiert manchmal mit der Realität.

Was sollten Menschen mitbringen, die eine Pflegeausbildung machen möchten?

Ausgeprägte Empathie und Offenheit, Spaß am Umgang mit Menschen, Hilfsbereitschaft und Geduld, auch mit sich selbst. Außerdem müssen sie ein gutes Verhältnis von Nähe und Distanz leben können – das habe ich in der Arbeit mit Suchtkranken gelernt.

Wichtig ist auch ein Ausgleich zum Berufsalltag. Mir helfen Sport, meine Freunde und meine Familie.