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An der Evangelischen Hochschule Pflege studieren - die Pionierarbeit geht weiter












Vor vier Semestern starteten wir mit dem ausbildungsintegrierten Bachelorstudium der Pflege, das damals an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg neu eingeführt worden war. Unsere Studiengangsleitung, Frau Professor Dr. Eylmann, nannte uns „Pioniere“. Und Pioniere sind wir tatsächlich bis heute. Vor einem Jahr schloss sich uns die zweite Kohorte Studierender an, die sich inzwischen mittendrin im wissenschaftlichen Arbeiten und Lernen befindet. Und seit wenigen Wochen ist nun schon die dritte Kohorte an der Hochschule unterwegs, besucht die ersten Vorlesungen und sammelt ihre ersten Eindrücke. Dazu kommt, dass wir Studierende im ausbildungsintegrierten Studiengang seit diesem Semester auch Kommilitoninnen und Kommilitonen vom neuen berufsbegleitenden Studiengang begegnen. Die Zahl der Pflegestudierenden wächst kontinuierlich. Überhaupt ist es erstaunlich, was sich seit unserem Studienstart im Oktober 2014 alles getan hat: hinsichtlich der Pflegestudiengänge und der Pflegestudierenden, der Integration der Pflege in den Hochschulbetrieb, des Studienalltags auf dem Campus und vieler weiterer Aspekte.

Für das ausbildungsintegrierte B.A.-Studium kooperiert die Evangelische Hochschule Ludwigsburg mit der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des EBZ und einer Reihe von Altenpflegeschulen in Baden-Württemberg. An der Schule wird der theoretische Teil der Pflegeausbildung absolviert. Die praktische Ausbildung erfolgt in verschiedenen Ausbildungseinrichtungen. Manche Kommilitonen haben, je nach Schulstandort, einen recht langen Anfahrtsweg zum Studium. Für uns vom EBZ gilt das natürlich nicht. Ludwigsburg erreicht man von Stuttgart-Nord aus recht schnell. Die Herkunft aus den unterschiedlichsten Schulen bedeutet jedoch vor allem in der Anfangsphase des Studiums, dass wir Studierende der verschiedenen Kohorten uns erst einmal aneinander „gewöhnen“ müssen. Da die Vorlesungszeiten in den ersten drei Jahren, also in der ausbildungsintegrierten Studienphase, meist auf zwei Tage im Monat beschränkt sind, bleibt nicht sehr viel Zeit fürs anfängliche Beschnuppern oder einen intensiveren Austausch. Es ist daher schön festzustellen, dass sich trotzdem nach dem ersten Studienjahr der Knoten löst. Und nicht nur das. Es stellt sich heraus, dass die StudentInnen untereinander durch die unterschiedlichen Wissensstände und Erfahrungen in ihren Schulen und Ausbildungseinrichtungen voneinander profitieren und der eine vom anderen lernen kann.

Wir von der ersten Kohorte haben an der Hochschule bisher Module wie Wissenschaftliches Arbeiten, Pflegeprozess, Fallbezogenes Handeln in der letzten Lebensphase, Qualitätssicherung und Management belegt. Hierbei konnten wir das an unseren Schulen erworbene Wissen unter pflegewissenschaftlichen Gesichtspunkten erweitern und vertiefen. Vereinzelt werden im Studium auch praktische Kenntnisse vermittelt, beispielsweise im Blick auf körperliche Untersuchungen bei Patienten. Immer wieder werden zu den Modulen Dozenten anderer Universitäten und Hochschulen zu Gastvorlesungen eingeladen, sodass sich das Spektrum an Kontakten und Orientierungen erweitert. Dazu kommen Module, die an der Schule selbst unterrichtet werden. Die bisherigen Modulabschlussprüfungen erfolgten für uns an der Hochschule in Form von Klausuren, mündlichen Prüfungen und Hausarbeiten, an der Schule auch von Referaten und Praxisaufgaben.

Die Bandbreite an zusätzlichen Hochschulveranstaltungen ist groß. Zweimal wurde bisher der „Fachtag Pflege“ durchgeführt, bei dem zu einem aktuellen Thema Professoren und Dozenten der Pflegewissenschaft und angrenzender Wissenschaften Vorträge hielten und Diskussionsrunden stattfanden. Auch in den kommenden Jahren soll dieser fruchtbare wissenschaftliche Austausch über den Fachtag fortgesetzt werden. Ebenfalls zweimal unternahmen wir Studierenden an einem verlängerten Wochenende eine Exkursion nach Berlin zum „Deutschen Pflegetag“, für uns eine gute Gelegenheit, uns über pflegebezogene Themen zu informieren, die gerade dran sind – und uns auch untereinander besser kennenzulernen. Im Hinblick auf zukünftige Projekte lässt sich sagen, dass vor einigen Wochen Professoren der Hochschule und speziell des Studiengangs B.A. Pflege nach Finnland gereist sind, um dort einen internationalen Kontakt herzustellen, der die Möglichkeit eröffnet, ein theoretisches oder praktisches Auslandssemester an einer Partneruniversität zu belegen. Es wird sich zeigen welche der Pioniere sich auf dieses Abenteuer als erste einlassen.

Im EBZ findet in jedem Semester ein Treffen der Studiengruppe statt. Alle Studenten unserer Schule kommen an einem späteren Nachmittag zusammen und tauschen sich zusammen mit unserem schulischen Studiengangsbetreuer, Herrn Mahler, über die gemachten Erfahrungen und das aktuelle Befinden bezüglich des Studiums und der Abstimmung mit Schule und praktischen Ausbildungsbereichen aus. Wir sprechen über Erfolge und auch Probleme und suchen gemeinsam nach Lösungen. Hierauf folgt ein inhaltlicher Input, den bisher Herr Dr. Nau geliefert hat, indem wir ein pflegerisch relevantes Thema erarbeiten.

Sehr sinnvoll ist es für Studierende, sich an der Hochschule zu engagieren. Ein Beispiel dafür ist die Fachgruppe Pflege. Dabei handelt es sich um ein Gremium aus Professoren und Vertretern der Studierenden, die sich mehrmals im Semester treffen, um zu klärende Fragen und anstehende Neuerungen zu beraten. Dadurch wird ein kontinuierlicher Informationsfluss zwischen Professoren- und Studierendenschaft erzielt und die Weiterentwicklung und Optimierung des Studiengangs vorangebracht. Eine weitere Möglichkeit ist, Mitglied im Senat zu werden, dem alle Professoren, die Studentenvertretungen aus allen Studiengängen und die Hochschulleitung angehören. Der Senat diskutiert Themen, die die Hochschule insgesamt angehen, trifft grundsätzliche Entscheidungen und führt Wahlen zum Beispiel der Studiengangsleitungen durch – eine sehr gute Chance für Studierende also, etwas auf höherer Ebene zu bewegen.

Es ist ein gutes Gefühl, Teil dieses Ganzen zu sein, den Aufbauprozess des Studiengangs mitzuerleben und durch das Mitwirken an der Hochschulentwicklung die Akademisierung der Pflege voranzutreiben, die so enorm wichtig ist für die Zukunftsfähigkeit des Berufs. Die Studienzeit ist eine spannende, aufregende und interessante, aber auch lehrreiche Zeit. Der Weg der Pioniere geht also weiter.

Franziska Bach
Studierende an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg und Schülerin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des EBZ
Mitglied der Studierendenvertretung für den Pflegestudiengang