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Gespräch mit Thomas Reusch-Frey MdL über Pflege und Pflegebildung

Der Ethik-Koordinationskreis tagte wieder im EBZ


Pfarrer Thomas Reusch-Frey MdL (© Reiner Pfister)„Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Pflegeausbildung“ stand auf der Tagesordnung des Koordinationskreises „Ethische Bildung in der Pflege“, der am 6. November 2014 wieder im EBZ zusammenkam. Eingeladen zu diesem wichtigen Thema war der SPD-Landtagsabgeordnete und evangelische Pfarrer Thomas Reusch-Frey aus Bietigheim-Bissingen, der als Mitglied des Ausschusses für Arbeit, Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren des Landtages und der im März ins Leben gerufenen Enquetekommission zur Zukunft der Pflege kompetent Rede und Antwort stand.


Braucht die Pflege nicht eine stärkere Lobby angesichts der zunehmend schwieriger werdenden Rahmenbedingungen der alltäglichen Arbeit? Wie kann der Pflegeberuf nachhaltig, also über kurzfristige Werbeaktionen hinaus für junge Leute attraktiv gemacht werden? Warum haben die Pflegeschulen immer noch eine Sonderstellung in der beruflichen Schullandschaft? Was ist mit der seit Jahren diskutierten generalisierten Pflegeausbildung – kommt sie oder kommt sie nicht? Wo bleibt die Gleichstellung der studierten Pflegelehrkräfte mit Lehrerinnen und Lehrern an beruflichen Regelschulen? Welche Stellen können Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen den jungen Pflegekräften anbieten, die ein Pflegestudium absolvieren oder absolviert haben? Welche Bedeutung haben ethische und religiöse Fragen in Lehrplänen und Curricula für Pflegeschulen? Warum gibt es im Unterschied zu Altenpflegeschulen in Schulen für Gesundheits- und Krankenpflegeberufe keinen regulären Religionsunterricht? Diese und weitere Fragen wurden aus dem Koordinationskreis an Thomas Reusch-Frey und seinen Parlamentarischen Berater Dr. Johannes Berger gestellt.

Ziel der Enquete-Kommission „Pflege in Baden-Württemberg zukunftsorientiert und generationengerecht gestalten“ die auf Antrag aller im Landtag vertretenen Fraktionen eingesetzt wurde, ist es, die Situation der Pflege und der Pflegenden in Baden-Württemberg zu untersuchen und Vorschläge zu entwickeln, was verändert werden muss, um eine qualitativ hochwertige Pflege auf Dauer sicherzustellen. Neben 15 Landtagsabgeordneten wurden auch externe Fachleute aus Kommunalpolitik, Hochschule, Schule und Fortbildung, von Träger- und Gewerkschaftsseite in das Gremium berufen. Im Januar 2016 wird es dem Landtag über seine Ergebnisse Bericht erstatten.

Zukunftsfähige Entwicklungen und Neuaufbrüche gab es in der Pflege durchaus, etwa die Einrichtung ausbildungsbegleitender Pflegestudiengänge, jüngst zum Beispiel an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg, oder die pädagogische Professionalisierung der Ausbildung an den Schulen und in den Einsatzbereichen, die vor etwa zehn Jahren vom novellierten Krankenpflegesetz und für Baden-Württemberg auch vom Landeslehrplan für die Gesundheits- und Krankenpflege ausgelöst worden waren. Dennoch waren sich die Anwesenden einig, dass es aktuell besonderer Anstrengungen bedarf, um die Situation der Pflegenden wie auch der Lernenden und Lehrenden zukunftsweisend zu gestalten. Dem Koordinationskreis gehören Pflegepädagoginnen und -pädagogen, Schulleiter von Pflegeschulen und Klinikseelsorgende an, denen der Ethikunterricht in der Kranken- und Altenpflegeausbildung am Herzen liegt. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe Baden-Württemberg ist in dem Kreis vertreten.

Im Anschluss an die Diskussion stellte Pfarrerin Margrit Schlipf, evangelische Krankenhausseelsorgerin in Bietigheim, die Unterrichtsmaterialien vor, die aus dem Forschungsprojekt der Universität Tübingen zur ethisch-interreligiösen Bildung in der Pflege erwachsen sind. Getragen wurde das Projekt von den beiden religionspädagogischen Instituten der Universität EIBOR und KIBOR und von den evangelischen und katholischen Kirchen in Baden-Württemberg. Gefördert hatte es die Robert-Bosch-Stiftung. Den Anstoß für das Projekt hatte der ökumenisch angelegte Koordinationskreis gegeben, der seit etwa 30 Jahren das Thema „Ethik in der Pflegeausbildung“ erörtert. Ergänzend zu den an vielen Pflegeschulen bereits erfolgreich entwickelten Konzepten zu ethischen Fragen in der Pflegeausbildung ging es in dem Projekt, das unter der Regie der renommierten Religionspädagogen Professor Friedrich Schweitzer und Professor Albert Biesinger stand, speziell darum, die interkulturellen und interreligiösen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Altenpflege zu fördern.

Rudolf Mahler