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Neu seit Februar 2013 am EBZ: "Nursing English" - Englisch für Pflegende

Interview mit der Dozentin für Fachenglisch am EBZ, Frau Claudia Maniscalco

Im Februar startete im EBZ ein neues Unterrichtsangebot: Fachenglisch für Pflegende – oder in der Originalsprache: English for Nurses. Englischkenntnisse in der Pflege sind heutzutage angesagt. Man braucht sie, wenn man im englischsprachigen Ausland ein Praktikum im Rahmen der Ausbildung machen oder eine pflegerische Tätigkeit ausüben möchte. Sie sind oft die einzige Brücke für die Verständigung der Pflegekräfte mit ausländischen Patienten. Und nicht zuletzt verlangt sie die immer wichtiger gewordene Wissenschaftsorientierung des Berufs: Pflegende müssen englischsprachige Fachliteratur verstehen oder auf Tagungen englische Vorträge mitverfolgen können. Englisch ist internationale Wissenschaftssprache, auch für die Pflege.


So freuen wir uns sehr, dass wir mit Claudia Maniscalco eine Dozentin für diesen Lernbereich gewonnen haben, die uns eine passgenau auf die Bedürfnisse unserer Schule und ihrer Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Konzeption vorgelegt und sich sogleich voller Elan an deren Umsetzung im Unterricht gemacht hat. Wir haben Frau Maniscalco zu ihren ersten Erfahrungen mit dem Englischunterricht befragt.

Wie geht es Ihnen, Frau Maniscalco, nach den ersten Englischstunden für zukünftige Gesundheits- und Krankenpflegerinnen?

Ich bin begeistert. Die ersten Stunden habe ich in der Klasse F4/11 gehalten. Kurz darauf folgte die Klasse F3/11. Die Schülerinnen und Schüler haben super mit mir zusammengearbeitet. Wir haben viel Englisch gesprochen und natürlich auch gehört. Nach dem Schulabschluss hatten die meisten schon Jahre nichts mehr mit der englischen Sprache zu tun. Aufgabe des Unterrichts ist es deshalb, das Schulenglisch aufzufrischen und um pflegerisches Vokabular zu erweitern oder zu vertiefen. Dabei ist immer alles eingebettet in pflegebezogene Kommunikationssituationen.

Welche Ziele verfolgt denn der Unterricht in Nursing English?

Grundsätzlich geht es darum, den Schülerinnen und Schülern die fremdsprachliche Dimension der Pflege bewusst zu machen und die entsprechenden sprachlichen Fähigkeiten zu fördern und berufsbezogen auszubauen. Das betrifft einmal das Sprechen, die mündliche Kommunikation. Es werden aber auch englischsprachige Texte aus dem Pflegebereich zur Erweiterung des Leseverstehens herangezogen. Schließlich stammen die Patienten in den deutschen Krankenhäusern nicht immer auch aus Deutschland. Hier kann das Englische als Weltsprache, die fast jeder irgendwann einmal gelernt hat, zum Tragen kommen.

Können Sie an einem Beispiel zeigen, wie Sie pflegerisches Kommunizieren auf Englisch einüben?

Das könnte so aussehen: Zunächst machen wir uns anhand eines englischen Textes daran, die Regeln eines „Patienteninterviews" zu lesen und zu verstehen. Danach wird die erworbene „Theorie" durch kreative szenische Darstellung im Klassenraum, vor den Mitschülern also, in die kommunikative Praxis umgesetzt. Dass die zukünftigen Pflegekräfte mit Sprache situationsgerecht handeln können – das möchte ich mit dem Unterricht erreichen.

Die Schülerinnen und Schüler bringen aber doch recht unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen mit. Klappt es dann überhaupt mit dem Miteinander-Sprechen?

Ich versuche da einen Mittelweg zu gehen. Ich möchte niemanden überfordern, fordere aber trotzdem von den Lernenden das Englischsprechen und Vokabelsuchen. Und wenn die ersten Hemmungen überwunden sind, geht es mit dem Sprechen ja auch schnell leichter. Es gibt wirklich gute English speakers unter den Schülern. Aber jeder soll etwas vom Unterricht haben, so wie er es möchte und braucht.

Sie sagten, Sie lesen im Unterricht auch englischsprachige Fach- und wissenschaftliche Texte. Wie sieht das denn konkret aus?

Auch hierzu ein Beispiel: Nach Ausgabe der Texte an die Klasse lege ich am Overhead-Projektor eine Folie mit einer Vokabelliste auf, die der Unterstützung des Textverständnisses dient. Während der folgenden stillen Lesephase stehe ich natürlich auch für Vokabelfragen zur Verfügung. Danach lesen wir den Text laut, klären seinen Inhalt – schriftlich an der Tafel oder am OHP – und sprechen über diesen: Do you agree? Do you disagree? Why? What are your own experiences? So oder so ähnlich kann die Erarbeitung eines Fachtextes ablaufen.

Ich sehe schon: Im Vordergrund steht nicht die Grammatik, wie manche es vielleicht noch vom Fremdsprachenunterricht früherer Zeiten her kennen. Entscheidend ist, dass unsere Schülerinnen und Schüler aktiv mit Sprache und Texten umgehen lernen. Sie sind Gymnasiallehrerin. Wie sind Sie eigentlich zu dem Lehrauftrag am EBZ gekommen?

Ein Kollege von mir an meiner anderen Schule, dem Peter-Härtling-Gymnasium in Nürtingen, der gleichzeitig im EBZ tätig ist, Herr Mahler, hat mich angesprochen, ob ich mich nicht auch für die Arbeit mit erwachsenen Schülerinnen und die pflegerische Ausbildung interessieren würde. Kurz darauf gingen schon die Gespräche und Planungen mit der Schulleitung des EBZ los...

Da kann man nur weiterhin viel Erfolg mit English for Nurses in the Protestant Centre of Health Care Professions Stuttgart wünschen.
Danke für das interessante Gespräch!

Einen Bericht über die Fortbildung in Nursing English für examinierte Pflegekräfte finden Sie hier.

claudia mClaudia Maniscalco hat an der Universität Tübingen Anglistik und Philosophie studiert, sich während ihres Studiums auch mit pädagogischen und didaktischen Fragen befasst und bei einem Auslandsaufenthalt in Kanada ihre englischsprachigen Kompetenzen vertieft. Das Studium schloss sie mit dem Ersten Staatsexamen für das höhere Lehramt an Gymnasien ab. In ihrer Wissenschaftlichen Arbeit setzte sie sich mit der Fragestellung „Höhere Tiere in der Ethik – Haben wir ihnen gegenüber moralische Pflichten?" auseinander. Das Referendariat absolvierte sie am Klettgau-Gymnasium Waldshut-Tiengen und am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Freiburg. Mit dem Zweiten Staatsexamen erwarb die Assessorin des Lehramts die Berechtigung, Englisch sowie Ethik und Philosophie auf allen Stufen des Gymnasiums sowie an beruflichen Schulen zu unterrichten.
Nach einigen Jahren Lehrtätigkeit an einem Gymnasium in Nürtingen arbeitet Frau Maniscalco nun als Lehrerin an der Merkur Akademie International Karlsruhe/Pforzheim, einer Schule mit allgemeinbildenden und beruflichen Schulzweigen.
Am EBZ unterrichtet sie Nursing English sowohl an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege als auch in der Fortbildung für examinierte Pflegekräfte.