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Erlebnisbericht aus Wien

„Tschüss Stuttgart und Servus Wien“ hieß es für mich, als ich am 28. Januar in den Flieger stieg, um im Wiener St. Anna Kinderspital einen vierwöchigen Auslandseinsatz im Rahmen meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin anzutreten.

In Wien angekommen führte mich mein Weg direkt in das 10-Bett-Zimmer eines urigen Hostels. Zwischen Backpackern und Studenten wohnte ich für die folgenden vier Wochen in einem von verschiedensten Kulturen geprägten Umfeld – eine tolle Erfahrung. Von großem Vorteil war es, dass das Hostel nur wenige Gehminuten von meinem Einsatzort entfernt lag. Diesen Vorzug lernte ich besonders auf dem Weg zur Arbeit in den kalten Wiener Morgenstunden schätzen.

Im St. Anna Kinderspital werden Kinder und Jugendliche im Alter von null bis achtzehn Jahren behandelt. Es verfügt unter anderem über verschiedene Ambulanzen, mehrere internistische Stationen, eine Säuglingsstation, eine Intensivstation und eine Notaufnahme. Insbesondere im Bereich der Hämato-Onkologie und der Kinderkrebsforschung ist das Wiener St. Anna Kinderspital bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

An meinem ersten Arbeitstag begab ich mich gespannt und voller Vorfreude zur Pflegedienstleitung und wurde dort freundlich von einer Mitarbeiterin empfangen. Gemeinsam gingen wir auf die Station 4B, wo mein weiterer Einsatz stattfinden sollte. Es handelte sich dabei um eine im österreichischen Sprachgebrauch sogenannte „interne“ Station, was mit einer internistischen Station in Deutschland gleichzusetzten ist.

Hier werden Kinder ab einem Alter von einem Jahr mit verschiedensten Krankheitsbildern der inneren Organe behandelt. Die zuständige Praxisanleiterin der Station gestaltete zusammen mit mir den Dienstplan für den gesamten Zeitraum meines Einsatzes. Die Pflege und Betreuung teilweise schwer kranker Kinder und Jugendlicher und deren Familien erfordert sowohl ein großes Maß an fachlichem Wissen, als auch Geduld, Feingefühl und Kreativität. Dies war für mich als Schülerin eine große Herausforderung. Dank einem gut strukturierten Praxisanleitungskonzept sowie motivierten, offenen und freundlichen Teammitgliedern, konnte ich zahlreiche interessante Einblicke gewinnen und vieles lernen. Insbesondere die Pflege immunsupprimierter Kleinkinder mit Infektionen und die Betreuung von Kindern mit Sichelzellanämie erforderten mein ganzes Engagement.

Die diplomierten Pflegekräfte auf der Station arbeiteten in einem Zwei-Schicht-System, das heißt 12,5 Stunden pro Arbeitstag, wie es in österreichischen Spitälern dieser Art üblich ist. Als Schülerin war meine Arbeitszeit auf zehn Stunden begrenzt, was im Gegensatz zum Drei-Schicht-System in Deutschland mit 7,7 Stunden pro Arbeitstag eine neue Erfahrung für mich war. Längere Arbeitszeiten bedeuteten aber auch eine größere Anzahl an freien Tagen. So hatte ich genügend Zeit, um neben den Einblicken in die Arbeitswelt Wien auch in seiner kulturellen Vielfalt zu entdecken und zu erleben. Auf den Spuren der Kaiserin Elisabeth wandelnd, bestaunte ich das Schloss Schönbrunn und besuchte eine Führung durch die Stallungen der renommierten Spanischen Hofreitschule. Nach dem Genuss eines echten Stücks Sachertorte und einer Wiener Melange im berühmten Cafe Sacher, konnte ich durch einen glücklichen Zufall ein Last-Minute-Ticket für eine Aufführung der Oper „La Cenerentola“ von Rossini ergattern. Dieser Abend wird für mich unvergesslich bleiben - unter anderem auch deshalb, weil ich erleben durfte, dass der ansonsten als eher elegant bekannte Wiener Opernbesucher auf den oberen Rängen durchaus auch in Jeans und Pullovern gesichtet wird.

Auch die Entspannung im Ausgleich zu den ungewohnt langen Diensten im Kinderspital und den eisigen Temperaturen im winterlichen Wien kam bei einem Besuch der Wiener Therme nicht zu kurz.

Alles in allem konnte ich viele bereichernde Eindrücke gewinnen und neue Bekanntschaften schließen. Der Abschied vom Team der Station 4B an meinem letzten Arbeitstag fiel schwer.

Ich werde sicherlich eines Tages erneut nach Wien reisen – wenn es wärmer ist und im Prater wieder die Bäume blühen…

Schloss Belvedere2

Carolin Seng

Kurs F2/16