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Noch ein Einsatz in Neapel

Nach einem ersten Auslandspraktikum in Neapel im Jahr 2015 war es durch das gemeinsame Erasmus +-geförderte Projekt des Diakonie-Klinikums Stuttgart, des EBZ und der Villa Betania erneut zwei Auszubildenden des EBZ möglich, einen Ausbildungseinsatz in der Villa Betania zu absolvieren.

Johanna H. berichtet
:

Wir, Johanna H. und Dennis L. aus Kurs H3/14, durften für vier Wochen, vom 9.Oktober bis zum 6. November 2016, nach Bella Italia, genauer Neapel reisen und dort im Krankenhaus Ospedale Evangelico Villa Betania mitarbeiten.

Am Anreisetag ging es für uns am Stuttgarter Flughafen los. Begleitet wurden wir für zwei Tage von Frau Hegemann und Herrn Schmidl vom Diakonieklinikum. Gemeinsam sind wir nach einem kurzen Flug gut in Neapel gelandet. Dort wurden wir von Francesco Messina, einem Direttore des Krankenhauses abgeholt. Gemeinsam sind wir zu der Unterkunft von Frau Hegemann und Herrn Schmidl gefahren, wo auch wir unser Gepäck abstellen durften, um dann dann alle miteinander Italienisch essen zu gehen. Nachdem wir noch ein bisschen was von Neapel gezeigt bekommen hatten, sind wir zurück zum Hotel gegangen, wo Dennis und ich dann abgeholt und zu unserer Unterkunft gefahren wurden. Antonella, unsere Vermieterin, hat uns häufig mit zur Arbeit genommen und später auch wieder abgeholt.

Am nächsten Tag wurden wir von Cordelia Vitiello, die von italienischer Seite diesen Einsatz erst mit möglich gemacht hat, abgeholt. Sie war unsere Ansprechpartnerin, jederzeit für uns zu erreichen und hat sich auch sehr lieb um uns gekümmert. Im Krankenhaus wurden wir von allen Seiten offen und herzlich willkommen geheißen und haben auch gleich eine kleine Führung bekommen. Danach haben wir uns von Frau Hegemann und Herrn Schmidl verabschiedet und waren ab da auf uns selbst gestellt. Eingesetzt wurden wir in der Gynäkologie und Neonatologie. Jede Woche waren wir innerhalb dieses Fachgebiets in einer anderen Abteilung. Gestartet sind wir im Kreissaal, anschließend waren wir auf der neonatologischen Intensivstation, auf der Wochenbettstation und im gynäkologischen OP. Überall wurden wir sehr freundlich begrüßt, durften vieles ausprobieren, jederzeit Fragen stellen und mit Spannung und Überraschung die Unterschiede zu einem deutschen Krankenhaus und zur deutschen Kultur entdecken. Beeindruckt waren wir vom herzlichen Umgang der Menschen untereinander und von der Wärme, mit der man sich begegnete.

Jede Geburt, bei der wir dabei sein konnten, war etwas ganz Besonderes und Einmaliges. Zu sehen, wie ein Kind geboren wird, das Mitleiden und Mitfiebern mit der Mutter, der Moment, wenn endlich das Köpfchen zu sehen ist, und dann schließlich der Augenblick, wenn das Baby schließlich ganz auf der Welt ist – einfach wunderbar! Der erste Schrei. Der erste Kontakt zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind war jedes Mal einzigartig, und es war eine tiefe Freude im ganzen Kreissaal zu spüren, die man wirklich nur bei einer Geburt erlebt. Der Umgang der Hebammen mit den werdenden Müttern war sehr liebevoll und einfühlsam. Sie haben jede Mutter ganz individuell bei der Geburt unterstützt und sich an ihren Bedürfnissen orientiert. Das war echt beeindruckend!
Wir durften Wehenschreiber bei den Müttern anlegen, waren bei Ultraschalluntersuchungen dabei, bei Visiten, haben Blut abnehmen dürfen, waren im Pronto soccorso, der Notaufnahme im Bereich der Gynäkologie. Ich durfte bei zahlreichen gynäkologischen Abstrichen zur Krebsvorsorge assistieren. Wir haben zusehen dürfen, wie ein Frühchen einen zentralen Venenkatheter gelegt bekam, haben Babys waschen, wickeln und füttern dürfen, ihre Vitalzeichen überwacht und in allen Bereichen, wo wir eingesetzt waren, von Pflegenden und Ärzten sehr viel gezeigt und erklärt bekommen. Im OP durften wir bei der Ein-und Ausleitung mithelfen, das Blutabnehmen versuchen, einen Blasendauerkatheter legen und die Frauen nach den Eingriffen an die postoperative Überwachung anschließen.
Aber natürlich kam auch die Freizeit nicht zu kurz. Wir haben Teile Neapels entdeckt – wunderschöne und eindrucksvolle Bauwerke wie das Teatro San Carlo, das Castel San Elmo, San Martino mit dem tollen Blicken über den Golf von Neapel, zahlreiche schmale Gassen und Gässchen, heruntergekommen Bauwerke neben neuen modernen Gebäuden – hier sind Gegensätze und Kontraste greifbar nahe. Wir sind nach Ercolano gefahren, haben Herculaneum besichtigt, sind auch in Pompeji gewesen, waren auf dem Vesuv, wo es sehr windig war, und auf Capri, das uns beide mit seiner Schönheit verzaubert hat. Sorrento haben wir besucht, die Katakomben, den Friedhof Della Fontanelle, wo die Knochen gestapelt sind (das ist schon etwas verstörend). Und wir waren auch am Meer.
Die Zeit verging wie im Flug. Schon waren wir wieder am Flughafen, und schwupps, saßen wir im Flieger zurück ins 15 Grad kältere Deutschland. Als Fazit kann man sagen: Es hat sich wirklich gelohnt. Arrivederci Bella Italia! Und vielleicht auch: A presto!