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Pflegen lernen in bella Italia

Die Auszubildenden Annika F. und Robin P. absolvierten ihren neonatologischen Ausbildungseinsatz im Krankenhaus Villa Betania in Neapel



Den Auszubildenden vielfältige Einsatzmöglichkeiten anzubieten, als Krankenhäuser voneinander lernen zu können, Pflege aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten - dies waren zentrale Gründe für das Diakonie Klinikum Stuttgart, das EBZ und die Villa Betania in Neapel, sich zu einer Kooperation zu entschließen. Gefördert wurde dieses Projekt durch das aktuelle Förderprogramm der Europäischen Union, Erasmus+.


Im Juli 2015 fand ein erstes Treffen mit Vertretern der drei Einrichtungen im schönen Neapel statt, um die Kooperation auf den Weg zu bringen. Formulare wurden entwickelt, Tätigkeiten geplant, verschiedenste Einsatzorte besprochen. Parallel lief die Vorbereitung der Auszubildenden- in einem Sprachkurs machten sich Lehrer und Auszubildende gemeinsam bereit für die Verständigung in Italienisch. So konnten zwei Auszubildende des EBZ 4 Wochen in einem italienischen Krankenhaus hospitieren und mitarbeiten. Eingesetzt auf verschiedenen Stationen wie beispielsweise der Ambulanz für Risikoschwangerschaften, einer neonatologischen Intensivstation und dem Kreissaal. Um viele Eindrücke reicher, kann in der letzten Woche des Einsatzes auch schon Erstes berichtet werden:

Nach einem kurzen Flug sind wir am Sonntag, den 13. September, in Begleitung von Frau Linde, unserer Lehrerin, und Herrn Schmidl, Praxisanleiter im Diakonie-Klinikum, im sommerlich warmen Napoli gelandet. Cordelia Vitiello, die ein wichtiges Mitglied in der lutherischen Kirche Italiens ist und auch im Krankenhaus arbeitet, hat uns sehr herzlich in Empfang genommen und zu unseren Unterkünften gebracht: Herrn Schmidl und Frau Linde ins Hotel und uns, Robin und mich, in unsere Wohnung, die jetzt für vier Wochen unser Zuhause ist.

Wir haben ein großes Wohnzimmer, zwei Balkone und eine schöne Aussicht auf den Vesuv und das Meer. Die Wohnung gehört Maura, einer Freundin von Cordelia. Sie und ihre Kinder haben am Sonntag auch noch kurz vorbeigeschaut, um uns zu begrüßen. Und beide haben uns zu einem Kaffee – besser gesagt: Espresso – eingeladen, dem ersten von vielen, die wir während unseres Aufenthalts hier noch trinken werden. Denn in Napoli ist der Espresso einfach fester Bestandteil des Lebens, sei es, dass er irgendwo unterwegs in einer Bar, auf der Arbeit zwischendurch oder zuhause genossen wird.

Am Montag hat uns Cordelia ins Krankenhaus gefahren, wo wir direkt in den Alltag mit hineingenommen wurden – mit Herrn Schmidl und Signora Linde an der Seite, die uns an den ersten beiden Tagen begleitet haben. Für die ersten zwei Wochen waren wir im Sala Parto, dem Kreißsaal, eingesetzt, zwischendurch waren wir aber auch in verschiedenen Ambulanzen, z.B. in der Ambulanz für Risikoschwangerschaften, der für Krebsprävention und im pronto soccorso, einer Anlaufstelle für Notfälle, allerdings nur auf dem gynäkologischen Gebiet.

Überall wurden wir sehr herzlich aufgenommen, durften zuschauen, mithelfen, Fragen stellen, die, so gut es ging, in einem Kauderwelsch aus Italienisch und Englisch unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen beantwortet wurden. Am Dienstag waren wir bei der ersten Geburt dabei, die wir je miterlebt haben. Es war wirklich sehr bewegend zu sehen, wie ein neues Leben auf die Welt kommt, wie die Schmerzen der Geburt beim Anblick des Kindes vergessen sind und wie die Mutter zum ersten Mal ihr Kind, das noch voller Blut ist, in den Arm nimmt, bevor es dann von den Kinderkrankenschwestern und Ärzten in Empfang genommen wird und erstmal untersucht, gewaschen und gewogen wird.

Im Lauf der zwei Wochen konnten wir bei mehreren Geburten anwesend sein, durften sogar assistieren, das Baby in Empfang nehmen, beim Nähen nach einem Dammriss mithelfen, die Öffnung des Muttermundes ertasten, bei der Nachgeburt der Plazenta unterstützen. Dabei haben wir gemerkt, dass jede Geburt anders ist. Die Mütter reagieren ganz unterschiedlich auf die Schmerzen, wählen unterschiedliche Geburtspositionen. Manchmal ist ein Angehöriger dabei, manchmal nicht. Mal ist in einer viertel Stunde alles über die Bühne gegangen, mal zieht es sich. Mal muss medikamentös unterstützt werden, mal geht alles ganz natürlich… Und jedes Mal ist es ein Wunder, wenn ein Kind zur Welt kommt!

Villa Betania ist ein evangelisches Krankenhaus mitten im katholischen Italien. Im Vergleich zu den anderen Krankenhäusern in Napoli ist es relativ klein. Aber es ist das einzige mit einer an den Kreissaal angegliederten Intensivstation für Neugeborene und daher ein sehr beliebter Ort für Geburten, sodass es Tage gibt, an denen der Kreissaal kaum ausreicht und die Wöchnerinnenstation aus allen Nähten quillt. Wir sind hier ausschließlich im Bereich Gynäkologie/Neonatologie eingesetzt. Aber natürlich hat das Krankenhaus auch andere Bereiche: Innere und Chirurgie, eine allgemeine Notaufnahme und anderes mehr. Wir arbeiten meistens nur vormittags, sodass wir nachmittags und am Wochenende Zeit haben, die Umgebung zu erkunden: Pompeij, Neapel, Sorrent…

Mir gefällt es sehr gut hier. Die Leute im Krankenhaus sind sehr nett und die Atmosphäre ist sehr positiv. Gerade im Kreissaal ist es, als wären die Frauen gute Freundinnen, und man nennt sich auch beim Vornamen. Es ist vielleicht manchmal ein bisschen chaotisch und spontan hier, aber dafür geht es sehr herzlich zu.

Text: Annika F., Bilder: Robin P.

Wer jetzt auch Lust auf eine solche Erfahrung hat, kann sich gerne am EBZ bewerben.
Weitere Informationen zur Villa Betania findet man unter: http://www.villabetania.org/index.php/it/